Entscheidungshilfe Translation Memory-System (TM)Pfeile

Ein Translation Memory-System (TM, laut Wikipedia „Übersetzungsspeicher“) speichert Übersetzungen satzweise (segmentiert) in einer Datenbank und sorgt auf diese Weise für die Möglichkeit der Wiederverwertung von Übersetzungen.

Die “guten” TMs merken sich auch Sätze vor und nach dem aktuellen Satz und machen den Übersetzer darauf aufmerksam, denn im Kontext sind Übersetzungen qualitativ besser. Sie verfügen über eine Konkordanz-Suche, eine Schnittstelle für Terminologie-Arbeiten, sie gewährleisten eine optimale Datenpflege (z. B. bei Terminologie-Änderungen oder sonstigen globalen Änderungen), sie erhalten die Formatierung des Ausgangstextes, usw.

Meistens fällt die Entscheidung für ein Translation Memory-System (TM) aus folgenden Gründen:

  • Der Kunde gibt das TM vor.
  • Der Übersetzer setzt das Programm nicht ein, in dem der übersetzungsrelevante Text verfasst wurde, aber er bietet Ihnen an, den Text in seinem TM zu bearbeiten.

Wenn Sie die Entscheidung für ein bestimmtes TM beeinflussen können, dann ziehen Sie folgende Gründe mit in Erwägung:

  • Welche Programme benutzen Sie zur Texterstellung? – Testen Sie, wie gut die Konvertierung ins TM und zurück in das Ausgangsformat funktioniert.
  • Versuchen Sie nicht, um jeden Preis auf jeder Hochzeit zu tanzen. Ein TM gut zu beherrschen ist besser, als viele TMs immer mal wieder einzusetzen. Zudem sparen Sie Kosten für Updates und Weiterbildung, wenn Sie sich auf ein TM konzentrieren.
  • Glauben Sie nur mit Vorbehalt, wenn Ihnen ein Hersteller erklärt, sein Programm sei vollständig kompatibel mit einem Programm seines Mitbewerbers. Speziell die Tags wird jeder Hersteller frei definieren und damit werden Sie bei Übernahme von Daten aus einem anderen Programm trotz TMX-Standard Abzüge der Matches in Kauf nehmen müssen.
  • Denken Sie zukunftsorientiert. Für Sie ist wichtig, dass das Programm weitergepflegt wird. Eine günstige Nischenlösung zu wählen kann bedeuten, dass Sie recht bald von vorne beginnen müssen.

Was sollten Sie beim Test eines TM beachten:

  • Wählen Sie unterschiedliche Texte aus Ihrem Hause aus, was die Textart (Broschüren, Bedienungsanleitungen, Websites) und was die Editoren angeht (XML, HTML, InDesign, Word).
  • Testen Sie den gesamten Prozess (Eingangskontrolle, Öffnen der Datei, Segmentierung, Vorübersetzung, Speichern der Datei ins Zielformat).
  • Lassen Sie Ihre Fachleute (Redakteure, Übersetzer, DTP-Fachleute oder Webprogrammierer) die Bedienbarkeit, den Funktionsumfang und das Ergebnis bewerten.

Werden Sie viel Geld sparen?

Das am häufigsten genannte Argument für den Einsatz von Übersetzungstools ist die Rabattierung für bereits in der Datenbank verfügbare Sätze.

  • Man kann in der Tat sparen, wenn sich Sätze wiederholen.
  • Sie können durch den Einsatz eines Translation Memories außerdem eine erhöhte Konsistenz in Ihren Zielsprachendokumenten erreichen.
  • Sie werden außerdem bestimmt eine größere Anzahl geeigneter Übersetzer finden, die ein Translation Memory einsetzen als Übersetzer, die z. B. in InDesign arbeiten.
  • Ebenfalls nützlich an einem Translation Memory ist, dass man anhand der Analyse (Textzählung) vor der Übersetzung das Volumen erfährt und damit die Kosten sowie den Liefertermin kalkulieren und planen kann.

Sollten Sie Ihrem Übersetzer vorgeben, mit welchem TM dieser zu arbeiten hat?

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Ihre Entscheidung hängt davon ab, in welcher Weise Sie die Übersetzungen weiterverwenden wollen. Wenn Sie mit mehreren Übersetzern arbeiten werden und auch intern auf die Datenbank zugreifen wollen, werden Sie ein TM erwerben und mit Ihren Übersetzern darüber sprechen, dass die Inhalte austauschbar sein sollen.

1. Austauschbarkeit von Datenbanken zwischen den TMs – geht, aber nur eingeschränkt

Wie bei den meisten Erzählungen birgt auch diese einen beträchtlichen Wahrheitsgehalt. Bleibt ein Haken: Zwischen den Systemen findet immer noch eine Konvertierung statt. Eigentlich klar, nur zugeben will’s keiner.

  • Im TM-Editor wird der reine Text für die Übersetzung zur Verfügung gestellt, formatspezifische Informationen werden „getaggt“ (Tag = Etikett, Marke, Auszeichner). Jeder Hersteller programmiert seine eigenen Konverter für sein TM. Damit sind die „Tags“ pro Hersteller anders, auch wenn Standards wie das TMX-Format oder das XML-Format wertvoll sind. Ohne diese Standards wäre ein Austausch zwischen den TMs unter Umständen gar nicht möglich. Ich empfehle Ihnen, den Austausch zwischen unterschiedlichen Systemen zu testen.
  • Bei der Datenübernahme in das Translation Memory werden die einzelnen Sätze in so genannte „Segmente“ (Übersetzungseinheiten) eingelesen. Auch dazu verwendet jeder Hersteller seine eigene Syntax.
  • Schon wenn Sie ein Update eines Programmes installieren, können sich die Bedingungen für die „Tags“ und die „Segmentierung“ ändern.

Veränderte Bedingungen bedeuten, dass eine Übersetzung teurer werden kann. Es ist ratsam, vor einem Systemwechsel oder Update zu testen, ob und um wie viel sich Übersetzungen dadurch verteuern können.

2. Wenn Sie ein Dokument mit einem TM übersetzen, findet immer eine Konvertierung und eine Segmentierung statt

Eine Konvertierung bedeutet stets, dass damit ein Formatverlust verbunden sein kann. Bei der Segmentierung sind Sie darauf angewiesen, dass die zu übersetzenden Segmente keine Sätze durchtrennen.

  • Führen Sie für jede neue Sprachrichtung einen Testlauf durch. Für Sie ist wichtig, dass alle Sonderzeichen in der Zielsprache richtig abgebildet werden.
  • Bei der Übernahme eines Textes in ein TM sollten Abkürzungen nicht zu unerwünschten Segmentierungen führen. Auch versierte Übersetzer übersehen zuweilen, dass Ihr TM eine Vorgabe für Abkürzungen benötigt, die VOR dem Einlesen der Daten gepflegt/ergänzt werden muss.